In meinem Blog teile ich Verhandlungskniffe und Gedanken aus meiner Arbeit als Verhandlungstrainerin. :-)

Was ein vermaledeiter Skiurlaub über Teamdynamik lehrt

 

Der Urlaubsplan war simpel und bewährte Routine für meine Familie: Skifahren in Österreich; Silvester in den Bergen. Wobei, eine Sache war anders: zu viert in einem Hotelzimmer, „da wir ja tagsüber sowieso alle auf der Piste sind“, so die Worte von meinem Mann noch beim Buchen.
Die Realität: Ich lag gleich am ersten Urlaubstag mit einem Infekt im Hotelbett. Kein einziger Schwung auf Skiern. Kein Bergpanorama. Kein Après-Ski. Stattdessen 20 Quadratmeter mit Schüttelfrost, Husten vom Feinsten, Halskratzen und die totale Erschöpfung. Ab Tag drei ging es Stück für Stück weiter, ein Familienmitglied nach dem anderen stieg aus; mit ähnlichen Symptomen. Am Ende lagen wir zu viert krank in einem Zimmer, das eigentlich als Schlafstätte gedacht war; nicht als Krisenmanagementzentrale. Und wisst ihr was? Es hat erstaunlich gut funktioniert.
 
Wir haben uns plötzlich wie Mitglieder eines Hochleistungsteam unter Extrembedingungen gefühlt. Niemand war in Bestform, die Rahmenbedingungen waren suboptimal und dennoch blieb unsere Kommunikation stabil, freundlich und lösungsorientiert; fast so präzise wie in einem exzellent agierenden Verhandlungsteam. Was haben wir intuitiv richtig gemacht?
Im Nachhinein konnte ich fünf Aspekte rekonstruieren, die uns, trotz allem, sehr gut zusammen agieren ließen. Der erste und wohl wichtigste Kommunikationspunkt war: Wir haben die richtigen Fragen gestellt. Es gab kein vorwurfsvolles „Warum hast du mich auch angesteckt?“, sondern häufig Sätze wie, „Was brauchst du?“ „Soll ich dir etwas mitbringen?“ „Wie geht es dir?“. In Verhandlungsteams ist genau das entscheidend. Spannungen entstehen häufig nicht durch unterschiedliche Positionen, sondern durch unausgesprochene Annahmen. Wer glaubt zu wissen, was die Kollegin denkt oder der Kollege meint, reduziert Komplexität und spart mitunter Zeit, aber oft zulasten der Qualität. Wir sollten uns aber auch im Klaren darüber sein, dass Fragen kein neutrales Instrument sind. Unzählige Male habe ich es erlebt, dass das gegenübersitzende Team mit gezielten Fragen versuchte zu spalten, die (Wissens- oder Haltungs-)Schwächen in den Reihen des gegnerischen Teams auszuloten, um sie anschließend im günstigen Zeitpunkt zu nutzen. In der eigenen Gruppe sollten wir davon ausgehen dürfen, dass Fragen wohlwollend eingesetzt werden. Nach außen können Fragen ein Spaltungsinstrument sein.
 
Der zweite Punkt, der uns wunderbar geholfen hat: Das flexible Aufteilen von Ressourcen. Derjenige, dem es am wenigsten schlecht ging, schlief oben im Doppelstockbett. Wer Kraft hatte, besorgte Tee oder Medikamente. Aufgaben wurden teilweise im Stundentakt neu abgesprochen und verteilt. In starken Verhandlungsteams gilt dasselbe Prinzip: Rollen sind wichtig, aber Anpassungsfähigkeit ist entscheidend. Das beinhaltet das Vermeiden von Diskussionen über Hierarchien im falschen Moment genauso wie das Festhalten an (Abteilungs-)Zuständigkeiten. Jede einzelne Rolle, egal welche ist gleich wichtig. Ein leistungsfähiges Team weiß, wer welche Kernkompetenz mitbringt. Ein exzellentes Team weiß zusätzlich, wann temporäre Verschiebungen notwendig sind.

Glücklicherweise haben wir in diesen Tagen Fehler nicht bewertet. Auch ein Punkt, der das Zusammenleben effektiv und sogar harmonisch gemacht hat. Niemand sagte: „Hättest du dich mal wärmer angezogen.“ Niemand analysierte Übertragungswege. In einer Krise zählt Stabilisierung, nicht Rechthaberei. In Verhandlungen ist das ebenso: Wenn ein Teammitglied einen Fehler macht, entscheidet der Umgang damit über die Gesamtperformance. Auch wenn ein eigenes Teammitglied vorschnell etwas Unbedarftes fragt oder preisgibt, was unsere Verhandlungsposition schwächt, so gilt es dies nicht zu verurteilen, sondern im Nachhinein darüber zu sprechen und zu verzeihen. Die Schlüsselkompetenz von „Abwarten und aktiven Zuhören im richtigen Moment“ ist auch hier von hohem Gut. Verurteilungen schwächen; gegenseitiges, mentales Stützen stärkt die Gruppe. Bei Fehlern in einem Verhandlungsteam sind es nicht Schuldzuweisungen oder Analysen im falschen Moment, die den Teamgeist tragen, sondern nüchterne Situationsdiagnose und Bedarfserklärung. Damit wächst das Vertrauen ineinander und stückweise die Schnelligkeit in der Abstimmung bei komplexen Themen; schlussendlich automatisch auch die Schlagkraft in tatsächlichen Verhandlungen. Bei letzterem entscheiden oftmals wenige Augenblicke darüber wie glaubhaft und tatsächlich vereint ein Team nach außen hin auftritt.
 
Der nächste Aspekt unserer Kommunikation in diesen Tagen war für den Einzelnen vielleicht nicht einfach, aber dennoch hilfreich für die Gesamtatmosphäre im Team: Wir blieben rational, trotz Emotionen. Selbstverständlich waren wir enttäuscht und frustriert über die verpassten Tage im Schnee bei schönstem Sonnenwetter und idealen Abfahrtbedingungen. Aber wir haben die Situation realistisch eingeschätzt: Was können wir in diesem Moment beeinflussen und was nicht? Was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt? Diese Fähigkeit unterscheidet durchschnittliche von exzellenten Verhandlungsteams: Emotion wahrnehmen, aber nicht von ihr gesteuert werden. Ehrlicherweise ist dies meine persönlich größte Herausforderung und zwar nicht im Business, sondern im privaten. Die emotionale Distanz im Geschäftlichen hilft um cool zu bleiben. Der eigene Nachwuchs kann einen dafür innerlich an die Grenzen bringen. (Extreme) Emotionen sind für Verhandlungen meistens keine gute Beratung, Impulskontrolle und eine gewisse Entspanntheit dagegen oft schon. Vielmals hilft ein situativer Perspektivwechsel um Verhandlungsvertrauen zu erhalten um mit kühlem Kopf zu agieren und entscheiden.
Die fünfte und letzte Eigenschaft unseres Teams war für mich die tollste Erfahrung in dieser gefühlt ausweglosen Situation: Wir blieben optimistisch und humorvoll. Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht, kleine Fortschritte gefeiert, den Fokus auf das Machbare gelegt und Witze erzählt. Optimismus ist in Verhandlungen kein „Soft Skill“, sondern strategische Energie, die ansteckend und unverzichtbar für eine positive Atmosphäre ist. Es geht nicht darum naiv zu sein und gegebene Realitäten zu verdrängen, sondern die Perspektive auf eine Situation in der wir uns hilflos, unwissend, gar verzweifelt fühlen, zu erweitern und mitunter die Stimmung selbst zu wählen. Das hat nicht nur einen Einfluss auf mein eigenes Wohlbefinden, sondern auch auf das meiner Teammitglieder.
 
Schlussendlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Teamdynamik entscheidet und nicht die Einzelstärke. In vielen Organisationen wird Verhandlungskompetenz individuell gedacht. So ist es auch bequemer, denn wir tragen dann alleinig die Verantwortung für das eigene Verhalten und nicht für die Gruppe. Möglicherweise halten uns Hierarchien von einem wirklich offenen Austausch ab. Die vermeintlich beste Idee oder das überzeugend vorgetragene Plädoyer einer Argumentation, die schärfste Analyse und/oder die erfahrenste Führungskraft wiegen manchmal mehr als ein konfliktähnlicher Diskurs, der für eine soziale, Disharmonie führen und damit unangenehm für einzelne werden kann. Doch in der Realität sind es die Dynamiken zwischen den Teammitgliedern, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden: Wie gehen wir mit Schwäche und Fehlern um? Wie divers, vor allem bezogen auf unterschiedliches Denken, sind wir aufgestellt und diskutieren wir? Wie flexibel verteilen wir Verantwortung? Wie sprechen wir miteinander, wenn der Druck steigt?
Und nun kommt die zentrale Frage: Wenn euer (Verhandlungs-) team morgen in eine „20-Quadratmeter-Krise“ gerät, würde es sich gegenseitig stabilisieren oder Energie verlieren? Erfolgreiche Teamdynamik entsteht nicht im Ernstfall. Sie wird vorher trainiert! Und manchmal beginnt sie mit der einfachen Frage: „Wie geht es dir gerade?“





Theater als Schlüssel zum Erweitern des eigenen Verhandlungsstils! 

Verhandlungen gehören zum Alltag dazu, ob wir wollen oder nicht. Doch wie gelingt es, auch in herausfordernden Situationen, ganz gleich ob im Beruf oder privat, authentisch, souverän und gleichzeitig empathisch zu wirken? Genau diese Frage bewegt mich in meinen Verhandlungstrainings, und um mein Angebot stets mit unterschiedlichen Facetten der Kommunikation zu erweitern, habe ich in diesem Jahr an mehreren Workshops im Galli-Theater in Erfurt teilgenommen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Alltag sowie in Verhandlungen in unterschiedliche Rollen schlüpfen, gewollt oder nicht, bewusst oder unbewusst. Um das eigene Rollenportfolio zu erweitern und flexibel zu halten, sollten wir uns stetig in Situationen üben, die außerhalb unserer Komfortzone liegen.  

Das Theater bietet einzigartige Methoden, die weit über klassische Kommunikationstechniken hinausgehen. Besonders faszinierend finde ich dabei was das Einnehmen von neuen Perspektiven mit uns macht, denn ganz fast nebenbei durchbrechen wir eingefahrene Denkmuster. Auf einmal ist die Rolle des „Bad Cop“, so sie denn fair und clever eingesetzt wird, „auf Knopfdruck“ möglich. Innerhalb der unterschiedlichen Verhandlungsstile spontan wechseln zu können z.B. vom entgegenkommenden zum wettbewerbsorientieren Stil, erweitert die eigene Klaviatur des Verhandlungsgeschicks. 

Der Clown und die Lust am Scheitern

Ein Highlight meiner Workshops war die Arbeit mit der Rolle des Clowns. Der Clown steht für die Fähigkeit, mit Leichtigkeit und Freude auf Herausforderungen zu reagieren. Seine Stärke liegt in der Akzeptanz des Scheiterns – nicht als Niederlage, sondern als Chance, Neues zu entdecken.

Diese Haltung ist für Verhandlungen äußerst wertvoll. Oft begegnen uns Widerstände, die uns blockieren. Der Clown zeigt uns, wie wir in solchen Momenten Humor und Flexibilität einsetzen können, um konstruktive Lösungen zu finden. Während der Übungen lernte ich, die Angst vor Fehlern loszulassen und mich stattdessen mit mehr Leichtigkeit auf neuem, unbekanntem Terrain zu bewegen. Das stärkt nicht nur die Ausstrahlung auf die Umgebung, sondern erweitert das eigene Selbstvertrauen enorm. 

Die Verbindung von Theater und Verhandlungstraining

Was ich aus dem Theatertraining mitgenommen habe, bereichert mein eigenes Angebot enorm. Die Arbeit mit Rollen und Emotionen stärkt nicht nur die persönliche Präsenz, sondern erweitert auch die Kommunikationsfähigkeiten. In meinen Verhandlungstrainings kombiniere ich diese kreativen Ansätze nun mit bewährten Methoden, um Frauen dabei zu unterstützen, ihre Anliegen mit Stärke und Charme zu vertreten. Egal ob im Berufsleben, im privaten Umfeld oder in schwierigen Gesprächen: Theatertechniken wie die des Clowns sind ein hervorragendes Werkzeug, um authentisch zu bleiben, sich selbst besser zu verstehen und gleichzeitig souverän zu handeln. Es lohnt sich, diese kreativen Ansätze auszuprobieren und die eigene Kommunikationsfähigkeit auf eine neue Ebene zu heben, frei‘ dem Motto: Nach dem Hinfallen, Aufstehen, Krone richten und erhobenen Hauptes weiterschreiten. 😉

Bananenhund - The Story behind

Die kommende (WAHRE!) Geschichte verdient eine Überschrift, die meine Kinder ihr gegeben haben: BANANENHUND. Dabei hat dieser Beitrag nur wenig mit Bananen und noch weniger mit Hunden zu tun, sie kommen aber darin vor. 

Im Sommer letzten Jahres ist mir etwas Seltsames und zugleich Grandioses passiert, ein echter Gamechanger sozusagen! Wie so oft, passieren echte Veränderungen im Verborgenen und wenn wir unsere Sinne dafür nicht schärfen, bleiben sie uns ewig unentdeckt.  Ich weiß es noch wie heute, ich trug mein blaues, leichtes Kleid, es muss also ein sehr heißer Tag gewesen sein. Ich ging vollgepackt mit Beuteln voller Obst durch die Innenstadt von Ilmenau, einem 30.000 Einwohner großen Ort mitten in Thüringen. Plötzlich kam von links ein ca. 9-jähriges Mädchen auf mich zu und ohne Umschweife sagte sie zu mir: „Hallo, möchten Sie diesen Hund kaufen?“ – Sie streckte mir ein gebasteltes Papier mit gemaltem Hundegesicht entgegen. Ich war perplex und stand erstmal sprachlos da. Um nicht gleich auf ihre Frage antworten zu müssen, meinte ich zu ihr: „Oh, hast du den etwa gebastelt?“ Die Antwort kam prompt: „Ja, wir sind zu dritt. Eine hat ihn gebastelt, die andere hat das Gesicht gemalt und ich verkaufe ihn.“ Sie zeigte auf zwei andere Mädels die nun Mut gefasst hatten und etwas näherkamen. Effiziente Arbeitsteilung auf hohem Niveau! Wir hatten noch ein paar Worte gewechselt. An was ich mich noch sehr gut erinnern kann waren Entschlossenheit, Selbstsicherheit und Entschlusskraft im ganzen Wesen der kleinen Verkäuferin. Sowohl ihre Stimme, ihr Blick und ihre Gestik ließen keinen Zweifel daran, dass das was sie da verkauft einen ordentlichen Wert hat. Mit ihrem entschlossenen und freundlichen Auftreten wirkte sie außerordentlich sympathisch. Ich war etwas geplättet, begriff allerdings nach und nach die Magie den diese Situation innehatte.  

Ich schaute an mir herunter auf meine Beutel voller Obst. Spontan habe ich den Mädchen drei Bananen angeboten, denn die waren schnell greifbar. Das Gesicht der Verkäuferin verriet sofort Enttäuschung, allerdings stimmte sie dem Deal zu. So fand ein ungewöhnlicher Tauschhandel statt, der mich bis heute tief bewegt. 

Ich ging nach Hause und erzählte meinen Jungs (7 und 9 Jahre) davon. Sie waren von dem Mut des Mädchens sichtlich beeindruckt, auch wenn sie es nicht offen zugaben. Mein Ältester ist ein Sparfuchs und meinte: „Du hättest doch auch eine Banane geben können, die hätten sie sich doch teilen können.“

Wir haben dann philosophiert wie viel Geld ich denn hätte geben können für ein Stück gebasteltes Papier und wie sehr die Eigenschaften Mut, Auftreten und Argumente den Wert erhöhen. Schlussendlich waren meine beiden Jungs von der Geschichte derart fasziniert, dass sie das gebastelte Hundegesicht liebevoll „Bananenhund“ tauften.  

Was können wir aus dieser Geschichte mitnehmen? Nun ja, Bananen haben ebenso wenig mit Hunden zu tun wie theoretisch eine zivilisierte, moderne Gesellschaft mit geschlechterungleicher Bezahlung und doch gibt es sie. Warum? Aus bequemer Gewohnheit?

Die fachliche Expertise ist wichtig für Professionalität im Job, ohne Frage. Allerdings werden wir für Kriterien wie Mut, Kreativität, Auftreten etc. ebenfalls bezahlt!  

Ein neun jähriges Mädchen ging völlig unbedarft und mutig in eine Kaltakquise-Situation hinein. Dieses geschäftliche Vorgehen ist in Deutschland rechtlich stark eingeschränkt, allerdings schadet es nicht, seine Verhandlungsqualitäten bereits in jungen Jahren zu verfeinern. 😉

Was hätte passieren können? Mehr als ein „Nein“ hätte sie sich von mir nicht einfangen können. 

Bei der Frage nach einer Gehaltserhöhung ist es genauso, nur mit dem Unterschied, dass das Produkt aus dir und deiner Arbeitsleistung besteht. Wenn du dann noch mit einer überzeugenden Haltung in das Gespräch gehst, dass ein „Nein“ für dich nicht in Frage kommt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es im zweiten Schritt nur noch um die Höhe der Gehaltserhöhung geht. 

Ich finde wir Frauen sollten ein wenig mehr so sein, wie dieses Mädchen, denn es können unerwartete, positive Dinge passieren! 

„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ 


Dieses grandiose Zitat schmückt meine Website und angeblich soll es von der weltbekannten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren stammen.  Es sind Zeilen, die Mut machen und Menschen motivieren das beste seiner selbst zu werden selbst in Krisenzeiten. Auch wenn der Ursprung dieses Zitats nicht 100%ig sichergestellt ist, so macht es dennoch Sinn sich mit dem Leben der schwedischen Schriftstellerin zu befassen. 


So witzig und herzerwärmend ihre Geschichten oft sind, so tief traurig war Astrids Gemüt in der realen Welt. Den Grund dafür behielt sie viele Jahre für sich. Erst mit 70 Jahren erzählte sie öffentlich über die anonyme Geburt ihres ersten Kindes Lasse im Jahre 1926. Unverheiratete, alleinerziehende Frauen wurde vor 100 Jahren gesellschaftlich mit Verachtung und Ausschluss begegnet. 

In der Geschichte „Mio mein Mio“ oder „Sonnenau“ verarbeitet sie nicht nur die Schrecken des zweiten Weltkriegs, sondern auch das Zurücklassen ihres Babys bei einer Pflegemutter.  Sie sagte über sich selbst in einem Interview: „Ich war so einfältig, wirklich dumm. Das bereue ich. Mein ganzes Inneres wollte immer nur zu meinem Kind.“ Welch harte Worte, die eine schwere Zerrissenheit zwischen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Eigenverantwortung widerspiegeln. 

Ihr biografischer Ausschnitt lehrt uns folgendes: 

1.      Die Mehrheit von Menschen ist nicht immer im Recht, sondern kann sich gnadenlos unbarmherzig gegenüber den Schwächsten unter ihnen verhalten. Heute wissen wir es besser, wenn auch das Leben von Alleinerziehenden sicherlich nicht 100% gleichberechtigt ist, ganz gleich für wen, Vater oder Mutter. 

2.      Es gibt ein Leben nach den Krisen und Gelegenheiten seine Fehler wiedergutzumachen indem man bereit ist die Konsequenzen zu tragen und die Folgen des Fehlers zu minimieren. Eine vielleicht schmerzvolle aber bedeutende Chance um persönlich daran zu wachsen. 


Astrid Lindgren sagte: „Wenn das mit Lasse nicht passiert wäre, wäre ich dennoch eine Schriftstellerin geworden, aber keine berühmte.“ All ihre Fehler und den damit verbundenen Schmerz konnte sie in ihren Geschichten zum Ausdruck bringen. Sie hat sich buchstäblich nicht unterkriegen lassen, selbst von der eigenen Traurigkeit nicht. 


Das Selbstwertgefühl einer jeden Person ist das tragende Fundament für jede Kommunikation und demnach auch für jede Verhandlung. Liebe Frauen, es ist so unglaublich wichtig, dass ihr euch selbst liebt, euch eure eigenen Fehler verzeiht und nach Niederlagen wieder aufsteht um an ihnen zu wachsen. 

Leichter gesagt als getan, nicht wahr? Nun, sicherlich gibt es kein Patentrezept für den besten Weg. Was es allerdings gibt, sind ausreichend berühmte Vorbilder oder gar Beispiele im eigenen familiären Umkreis an denen wir uns orientieren dürfen. 

Nur so können wir auf authentische Weise das werden was uns das Zitat empfiehlt: frech, wild und wunderbar… und stark wie Pippi Langstrumpf. 😊 

"Eine Frau ist wie ein Teebeutel - du kannst erst beurteilen, wie stark sie ist, wenn du sie ins Wasser wirfst."


Dieses aussagekräftige Zitat von Eleanor Roosevelt ziert die Frontseite meiner Website. Warum habe ich gerade diesen Satz gewählt?

Nun, wer sich mit der Biographie von Eleanor Roosevelt beschäftigt, stellt fest, dass sie dem Zeitgeist der damaligen Gesellschaft voraus war und Neuland betreten, sowie für nachfolgende Generationen geschaffen hat. Sie lebte von 1884 bis 1962 in den USA, war First Lady an der Seite von Franklin D. Roosevelt, selbst politisch höchst aktiv, erfolgreich im Erkämpfen von Frauenrechten und eine bedeutende Diplomatin für die UN-Menschenrechtskommission. 

Drei Dinge fallen mir an ihrer Vita besonders auf. 

Erstens, Sie war beruflich sehr aktiv mit Themen, die sich mit dem politischen Wirken ihres Mannes oft deckten. Der Umstand, dass sie die größten diplomatischen Erfolge erst nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt leistete, lässt schlussfolgern, dass sie nicht wegen, sondern trotz der Karriere ihres Mannes aktiv war. Eine Errungenschaft mit dem sie ein Vorbild für viele andere Frauen wurde. 

Der zweite Aspekt, welcher markant heraussticht: Sie war eine hoch beschäftigte Frau, die sechs Kinder bekam. Der Nachwuchs in der Familie Roosevelt wurde hauptsächlich von der Schwiegermutter und Hausangestellten erzogen. Somit war es Eleanor Roosevelt möglich mit Pioniergeist eigene Projekte voranzutreiben und zwar auf Augenhöhe mit ihrem Mann. Dies zeigt uns, dass es definitiv möglich war und ist eine solche Karriere zu realisieren. Von „einfach“ und „gleichen Voraussetzungen“ möchte ich dabei nicht reden, denn die sind seither zu Gunsten der Männer gegeben. Auch sollten beide Elternteile entscheiden, welchen Preis sie dafür bereit sind zu zahlen, z.B. die Abwesenheit in der Kindererziehung. 

Ein dritter Punkt, der ebenfalls auffällt: Bereits damals gab es Männer, die eine gleichberechtigte Stellung der Frau nicht als Bedrohung ansehen, sondern als das was es in einer Verhandlungsbeziehung sein soll: eine gegenseitige Bereicherung zum Weiterdenken, sich entwickeln und hinterfragen um eine Win-Situation für beide zu schaffen.

Kommen wir zurück auf das Teebeutel-Zitat. Mit dem Wissen einiger Ihrer biographischen Meilensteine, interpretiere ich diesen Satz wie folgt. 

Die Welt des Tees ist vielfältig, duftend und angenehm. Der Beutel, welcher den so wichtigen Inhalt trägt, kann durch Vorbeschädigungen oder schlechte Qualität kaputt gehen, wenn es darauf ankommt. Sollte er reißen nachdem er ins Wasser fällt, so erfüllt er seine Funktion nur unzureichend. Ähnlich ist es mit Frauen die sich in der Welt der Praxis bewähren wollen. Sie können schädigende Selbstzweifel durch den Ausbau eines starken Selbstwertgefühls, einem positiven Mindset oder der Aufarbeitung von Enttäuschungen vorgreifen. Das lässt sie entspannter auf Konfrontationen und rhetorische Mittel von Verhandlungspartnern reagieren, die es weniger gut mit ihnen meinen. Eine sehr gute Qualität lässt sich, bevor „Frau“ ins heiße Wasser springt, ebenfalls entwickeln. Dabei spielen Theorie und ein individuelles, praxisnahe Training eine bedeutende Rolle. Auch durch ein stetes, bewusstes Anwenden von Verhandlungstechniken im Alltag bleiben wir in Übung und werden durch Selbstreflektion immer besser.  

Wichtig, es gibt im Leben nicht nur eine Chance um „als Teebeutel ins Wasser“ geworfen zu werden. Wie so oft sind es kleine Schritte in der Praxis, die uns über einen längeren Zeitraum enorm wachsen lassen. Sollte es dennoch mal passieren, dass der Beutel in einem schwachen Moment nicht hält, gehört das zu den einprägsamsten Erkenntnissen mit denen wir den darauffolgenden Teebeutel optimieren um beim nächsten Sprung ins heiße Nass noch stärker zu sein. 

Sicher gibt es noch andere gewinnbringende Interpretationen. @Ladies: Habt ihre welche? Auch wenn ihr meiner Auffassung widersprechen möchtet, so bin ich gespannt auf eure Gedanken.